Das hast du jetzt davon.

Ich war immer nett zu allen. Wirklich, immer!

Ich habe in der Schule nie jemanden niedergemacht, bin nicht einfach in Gespräche eingestiegen, die mich nichts angingen, war nicht aufdringlich, habe mit Leuten gesprochen, wenn sie mit mir sprechen wollten. Habe Leuten Sachen geliehen, wenn sie Sachen brauchten. Habe Leuten zugehört und ein offenes Ohr gegeben, wenn sie einen Zuhörer mit einem offenen Ohr brauchten. Ich war immer da, immer hilfsbereit, nett, freundlich.

Heute kennt mich keiner meiner ehemaligen Klassenkameraden mehr. Wenn ich auf Facebook ein Bild kommentiere, wird der Kommentar ohne Reaktion darauf gelöscht. Schreibe ich jemanden an, haben sie keine Zeit oder ich werde ignoriert. Brauche ich einen Zuhörer und ein offenes Ohr, werde ich ausgelacht. Ich werde angeschrieben und niedergemacht für Dinge, die ich gar nicht getan habe. Ich werde ausgelacht für die Bilder, die ich hochlade.

Ich war immer nett zu allen. Das hab‘ ich jetzt davon.

Vergesslichkeit. Einsamkeit. Psycho.

Ich bin vergesslich. Ich bin einsam. Ich bin ein Psycho.

Ich vergesse Sachen. Viele Sachen. Alle Sachen. Ich weiß nicht mehr, was gestern passiert ist. Nicht mehr, was ich gerade schreiben wollte, weiß nicht mehr, worüber wir heute beim Essen gesprochen haben.
Wenn ich aus dem Haus gehe, vergesse ich die Schlüssel. Wenn ich reite, vergesse ich den Helm. Wenn ich einen wichtigen Test schreibe, vergesse ich zu lernen. Ja, wirklich! Es ist keine Ausrede. Ich will lernen, damit ich gute Noten schreibe, aber ich vergesse es einfach!
Es bleiben nur bestimmte Sachen hängen. Ich weiß nicht, welche es sind. Ob sie einem bestimmten Muster folgen? Hm… was weiß ich denn noch?
Ich kenne Namen, Telefonnummern. Ich weiß, wie man richtig auf dem Pferd sitzt und welche Hilfen wie einwirken. Ich weiß, was ich in der Arbeit zu tun habe.
Im Umkehrschluss dazu weiß ich aber nicht, was ich von dieser Arbeit schon erledigt habe. Deshalb muss ich mir immer Zettel schreiben und meine Arbeit an einem gut sichtbaren Ort an meinem Schreibtisch legen. Überall Zettel.
Es macht mich wahnsinnig, vergesslich zu sein. Meine Mutter schimpft mich immer, wenn ich beim Zaun bauen zehn mal hin und her laufen muss, weil ich die Griffe, Litze, Isolatoren oder Sonstiges vergesse. Ich laufe dann zurück, weiß nicht mehr, was ich wollte und gehe wieder zurück. Um mich dran zu erinnern, muss ich es die ganze Zeit laut aussprechen. Sonst vergesse ich.
Ich hoffe, es ufert nicht noch weiter aus. Ich dreh langsam durch.

Außerdem bin ich einsam. Mein Freund ist seit einer Woche im Urlaub. Aber ich glaube, das ist es nicht. Zumindest nicht alles. Ich vereinsame irgendwie. Meine Mutter redet kaum mit mir. Nicht, weil sie böse ist oder so. Ich liebe meine Mutter. Aber ihr Freund ist da. Immer. Deswegen hat sie keine Zeit für mich.
Außerdem habe ich doch so oder so niemanden, mit dem ich „so richtig“ reden kann.

Seit ein paar Tagen geht es mir wieder schlecht. Sehr schecht. Ich brauche jemanden zum reden. Jemanden, mit dem ich richtig reden kann.

Ich brauche jemanden,bei dem ich weinen kann.

Zicke, Zacke, Panikattacke

Irgendwie ist es total komisch.

Ich hatte schon lange keine Panikattacke mehr, was mich natürlich sehr freut. Aber am Dienstag… da kam es einfach. Wie aus dem Nichts. Zack, und es war da.

Ich stand wie immer in der Pause mit meinen Freunden in der völlig überfüllten Aula. Mit „Moltaria“ (sie hat sich diesen Decknamen gewünscht) zusammen hörte ich Musik auf ihrem Handy, da ich meine Kopfhörer vergessen hatte. Somit hatte ich in einem Ohr sehr laute Musik. Und in dem anderen war da dieser Pegel. Dieser unglaubliche Geräuschpegel vieler verschiedener Stimmen, es fühlte sich an wie tausende, und dennoch verstand ich kein Wort, nicht mal von den Menschen in meiner nächsten Umgebung. Das beunruhigte mich doch sehr.

Ich habe versucht, mich auf Moltarias Musik zu konzentrieren, auf den Text, den Rhytmus, mit dem Fuß mit zu tippen, irgendetwas zu tun, damit dieser Geräuschpegel leiser wird. Aber es half nichts, im Gegenteil. Es wurde schlimmer. Die Stimmen, die nur ein Summen in unterschiedlichen Tonlagen auftraten, wurden immer lauter und es machte mich wahnsinnig, dass ich kein Wort verstand. Mein Herz fing an zu rasen. Was war nur los? Zum Glück waren es nur noch 5 Minuten bis zum Pausenende, sodass ich mir den Kopfhörer aus dem rechten Ohr riss und mich fluchtartig auf den Weg ins Klassenzimmer begab. Dabei überrannte ich einfach jeden, der mir in die Quere kam. Ich sah aus dem Augenwinkel, wie mir einige Leute hinterher pöbelten, doch ich verstand immer noch kein Wort. Was war das nur? Und warum war es? Warum verstand ich die Wörter nicht? Was war nur los?

Plötzlich hallte ein lautes „Michelle!“ durch den Gang und ich drehte mich erschrocken um. Mein Name! Moltaria hatte mich gerufen um mir klarzumachen, ich solle nicht so schnell laufen und doch auf die anderen warten. Verrückt. Durch meinen Drang, zu fliehen, war ich anscheinend sehr schnell unterwegs. Also wartete ich. Auch, wenn es beinahe unerträglich war. Menschen vor mir, hinter mir, neben mir. Überall. Ich wollte einfach weg, weg von all den Stimmen, die ich noch immer nicht definieren konnte, nach Hause, wo ich alleine war, wo es ruhig war. Keine Stimmen. Kein Summen.

Blöderweise aber schrieben wir in der nächsten Stunde eine Schulaufgabe, und in der danach eine Ex. Was brachte es mir also, zu gehen, dafür, dass ich am Ende in einer fremden Klasse nachschreiben müsste? Und dafür, dass ich extra zum Arzt müsste, weil ich mich für die letzten 4 Stunden abgemeldet hatte? Nichts. Also blieb ich. In der Mittagspause hatte ich mich wieder soweit beruhigt, dass mein Puls einigermaßen normal war. Vorher war er das Dreifache von einem normalen gewesen, mittags nur noch das Eineinhalbfache. Immerhin.

Was mich richtig geärgert hat: Der Haller ist natürlich nach der Ex gegangen. Ihm sei schwindlig. Und dann dieses Grinsen. Dieses eklige, schmierige Grinsen! Bah!

Wofür tu ich mir das an? Wofür leide ich und durchlebe die größten Qualen, wenn es sich andere so leicht machen, und damit auch noch durchkommen?

Wofür zum Teufel?

Zeit für mich

Ich verbringe die meisten Stunden meiner freien Zeit (also die, in der ich nicht arbeite) beim Pferd oder mit meinem Freund. Was ja an und für sich nichts Schlechtes ist, im Gegenteil.

Über Ostern waren wir bei meiner Tante, weil auch meine Oma da war und da bei ihr nicht sicher ist, wie lange sie noch lebt (Lungenembolie im Endstadium – eigentlich sollte sie schon seit 3 Jahren tot sein…), nutzen wir jede Gelegenheit, sie zu besuchen. Denn wenn sie nicht gerade bei meiner Tante (160 km Entfernung) zu Besuch ist, lebt sie 4,5 Stunden Autofahrt oder mehr (459 km) weit weg, weshalb wir sie nur selten besuchen können – gerade jetzt, da sowohl meine Mutter als auch ich arbeiten.

Wir waren zwar nur zwei Tage und eine Nacht dort, aber ich habe gemerkt, dass mir diese „Ruhe“ unheimlich gut getan hat. Einfach mal entspannen, nichts tun, den ganzen Tag vorm Laptop sitzen und Spiele spielen (natürlich habe ich auch Zeit mit meiner Oma verbracht, aber mit totkranken Personen umzugehen ist einfach furchtbar anstrengend und da braucht man dann Ablenkung). Und da habe ich gemerkt, dass ich mal abschalten, mir einen Abend frei nehmen muss. So sehr ich meinen Freund liebe und so gern ich bei ihm bin, aber ich brauche jetzt mal Zeit für mich.

Morgen machen meine Mutter und ich mit einer gemeinsamen Freundin einen „Mädelsabend“, ich bin gespannt, wie das wird. Und am Wochenende, vermutlich Freitag, weil da mein nerviger Bruder noch nicht da ist, werde ich mir auch „freundfrei“ nehmen, um mit meiner Mutter oder auch allein einen schönen Abend zu verbringen.

 

Furchtbar schlechtes Gewissen

Kann man das überhaupt noch schlechtes Gewissen nennen? Es klingt so harmlos. Dabei ist es doch so viel mehr…

Ich habe in der Arbeit momentan einen Langzeitauftrag. Einen sehr, sehr wichtigen – das zu erklären würde a) zu lange dauern und b) für Außenstehende einfach zu kompliziert sein. Es geht quasi um Leben und Tod. Na gut, nicht ganz so schlimm. Es geht eigentlich um die nächste Inventur.

Ich soll von den jeweiligen Kostenstellen eintragen, was sie wann und wie viel gekauft haben. In unserer Firma gibt es aber zig Millionen Kostenstellen, wobei zwei Bereiche in nochmal in jeweils 3 Kostenstellen unterteilt sind.

Ich habe den Fehler (zumindest glaube ich, dass es ein Fehler war) gemacht, diese Kostenstellen auf je eine zusammenzuführen. Und ich denke wirklich, dass es ein richtig, richtig großer Fehler war.

Ich fühle mich so furchtbar schlecht! Weil man diesen Fehler, wenn es denn einer ist, auch nicht so einfach beheben kann. Am liebsten würde ich auf der Stelle los heulen, mich verstecken, verkriechen und in einer dunklen Ecke schämen. Ja, ich schäme mich richtig. Ich mache nie Fehler. Eigentlich. Oh Gott, was soll ich denn jetzt machen? Einfach so fortfahren wie bisher und so tun, als wäre nichts? Ich traue mich nicht, das anzusprechen. Ich habe furchtbare Angst vor dem, was mir meine Ausbilder an den Kopf werfen. Oh Gott. Und wenn ich nichts sage, reißen sie mir womöglich den Kopf ab, wenn sie es von selbst heraus finden. Und wenn ich einfach unwissend tue? Kann ich dann überhaupt bestraft werden? Ich weiß es nicht. Ich möchte nur nach Hause, wo ich mich unter meiner Bettdecke verkriechen und keine Fehler mehr machen kann, vor allem keine so gewaltigen.

Es soll aufhören! Dieses blöde, lästige Gefühl von Scham und schlechtem Gewissen! Ich hasse es. Und es macht mich traurig. Und nervös.

Ich will es los haben!

Menschen, die einem gut tun

Ich dachte immer, es wäre nur mein Freund. Bis gestern Abend.
Mira schrieb mir eine Nachricht, ob ich denn Lust hätte, zusammen mit ihr und ihrer Freundin ins Kino zu gehen.
Uff. Das kam unerwartet. Auch, wenn ich denke, dass sie mich mag, hätte ich mir nie ausmalen können, dass so etwas kommt. Ich wurde noch nie von irgendjemandem eingeladen, zu etwas mitzukommen. Ich musste mich immer selbst einladen, ich war nie erwünscht. Bis gestern Abend.
Erst einmal versuchte ich natürlich, mich mit einer Ausrede raus zu winden – meiner Erfahrung aus der Vergangenheit nach würde der Abend nämlich in einer Katastrophe enden, bei der ich mich wieder auf irgend eine Art und Weise blamieren und das Opfer von allen werden würde. Meine Mutter überredete mich letztendlich, mitzugehen. Dann versuchte ich, mir jemanden mitzunehmen – einen Beschützer. Mein Freund wollte nicht. Eine Freundin von mir. Keine Chance.
Also raffte ich mich einfach zusammen und ging allein mit Mira und ihrer Freundin Kate ins Kino.
Die Autofahrt war gut, wir redeten viel und ich wurde in die Gespräche mit einbezogen.
Ich war ja der Meinung, das ging alles von Mira aus. Unso überraschter war ich, als Kate mich nach dem Film fragte, ob ich denn morgen (heute) Abend wieder mit ins Kino wollte. Wow. Ich war total baff. Leider funktioniert das aufgrund finanzieller Einschränkungen einfach nicht.
Fazit: Menschen, die mir gut tun: +2

Schmarotzer.

Ich hasse ihn. Ich weiß nicht, warum ich ihn hasse – weil er so selbstverliebt ist oder weil er der erste Freund neben meiner Mutter ist seit ich denken kann? Ich weiß es nicht, aber mittlerweile hasse ich ihn so abgrundtief.
Das alles hat ziemlich harmlos angefangen. Meine Mutter und ich haben etwa zur selben Zeit unsere Beziehungen begonnen. Sie wurde von ihrer Freundin verkuppelt. Es hat ziemlich lange gedauert, bis sie „Nils“ uns vorgestellt hat. Warum? Keine Ahnung. Am Anfang war er irgenwie seltsam, relativ zurückhaltend. Doch nach dem ersten halben Jahr fing er anscheinend an, sich bei uns wohl zu fühlen – er fühlte sich buchstäblich ganz wie zu Hause.
Es gab tatsächlich mal eine Zeit, in der ich ihn mochte. Aber jetzt, da ich ihn besser kenne, fallen mir seine Dreistigkeiten einfach immer mehr auf.
Es ging los, als wir unseren neuen Fernseher kauften. Es ist seit Jahren eine Angewohnheit von mir, wenn ich im Wohnzimmer an meinem Laptop sitze, nebenbei den Fernseher laufen zu lassen – wegen der Hintergrundgeräusche. Ich mag es nicht, wenn es so totenstill ist. Meistens ist es dann auch so, dass ich zwischen Fernsehen und Laptopbeschäftigtsein switche. Oder einfach beides gleichzeitig mache – Multitasking und so. Naja, irgendwann kam er jedenfalls einfach her, nahm die Fernbedienung und schaltete um, auf ein Programm seiner Wahl. Keine Frage ib das denn überhaupt in Ordnung wäre, nichts. Ich dachte mir damals nicht viel dabei, ärgerte mich zwar schon ein wenig, aber damit war die Sache dann auch schon wieder für mich erledigt.
Doch er ging noch weiter. Manchmal schaltete er den Fernseher dann einfach aus und verzog sich wieder. Sagte dann noch etwas wie „Na, den braucht’s ja wohl jetzt nicht!“ und ging. Wenn er doch eh nicht da war, was störte ihn denn daran?!
Dann war es so, dass er mir beim Zeichnen am PC (über ein Grafiktablett) permanent in den Bildschirm starrte. Ich hasse sowas. Aber gut, kann er ja nicht wissen – ich habe das dann meiner Mutter gesagt, dass mich das schon ein wenig stört, vor allem,  wenn er immer noch seinen Senf dazu gab, und damit war es dann auch wieder getan.
Irgendwann hat er angefangen, bei uns
zu kochen. Ich fand es echt nett von ihm, dass er meine Mutter damit zeitlich entlastete, keine Frage. Aber irgendwann fiel mir auf, dass er immer nur das Gleiche kochte, bzw. immer nur die selbe Soße. Und die schmeckt(e) mir absolut nicht. Und er ist ein Markenfreak. Eis nur das von Landliebe, niemals im Leben Tütensoßen, kein Fleisch aus der Tiefkühltruhe beim Lidl – es musste frisches Fleisch von einem Metzger seiner Wahl sein, es durfte nur Soße sein, die er gemacht hatte oder bei deren Zubereitung er zugesehen hatte und bei anderen Eismarken rümpfte er angewidert die Nase (ha! Bleibt eben mehr für mich).
Dazu kommt dann auch noch, dass er unsere Essmanieren komplett zerstörte. Fleisch zum Beispiel haben wir nie, wirklich NIE mit heller Soße gegessen, nur mit dunkler (außer ab und zu Hollandaise). Und was macjt er? Helle Soße! Immer! Irgendwine eklige Käsesoße oder so. Ich esse sie. Weil ich erzogen wurde, höflich zu sein. Und es wäre doch unhöflich, das, was er für uns gekocht hat, nicht zu essen, oder?
Naja, meine Portionen werden von Tag zu Tag kleiner. Höflichkeitsportionen.
Auch hat er gemeckert, warum wir denn Käse in unseren Thunfischsalat schneiden – zu Fisch isst man doch keinen Käse! Und schnipp, was passiert, sobald Herr Nils einmal meckert? Der Käse wird einfach weg gelassen! Wir haben das wirklich immer so gegessen! Und nur, weil es dem werten Herren nicht passt, stellen wir alles auf den Kopf?
Heute hat er endgültig bei mir versagt. Das ist aber eine ziemlich lange Geschichte. Es ging beim Abendessen um eine Person aus unserem (dem von meiner Mutter und mir) früheren Leben. Eine, die er nur aus Erzählungen kennt (ich werde dazu mal einen extra Eintrag machen). Und heute am Essenstisch hat er gewütet und geschimpft, wie dumm besagte Person ist und dass sie ja so einen riesigen Schaden im Kopf hat und hin und her.
Ich hätte ihm am liebsten meinen Teller gegen den Kopf geknallt. Aber meine Etikette haben es mir verboten.
Und jetzt sitze ich hier und fresse alles in mich rein.
Mal wieder.